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Treppchen - oder: die Gnade der frühen Geburt

„Die Strecke ist flach“ – das hatte mir Charly, ein Lauffreund aus dem Allgäu, versichert. Eigentlich hätte ich da schon gewarnt sein müssen: was für einen Allgäuer flach ist, ist noch lange nicht flach für einen Münchner-Umland-Bewohner...

Aber egal. Ich fühlte mich heute morgen jedenfalls ausreichend trainiert, um einen 10-Kilometer-Volkslauf bestreiten zu können. Um kurz nach 7 Uhr waren wir mit Abe und Micha von Germering losgefahren und erreichten um Viertel vor acht das kleine Dörfchen Issing bei Landsberg. Die Startnummernabholung gestaltete sich problemlos – wie im übrigen alles bei dieser kleinen, aber perfekt organisierten Laufveranstaltung. Warm würde es wohl werden, aber so schlimm dann doch nicht, da der Start ja schon um 8.30 Uhr war. Eine überschaubare Läuferschar wartete also kurz vor halb neun im Startraum, bis der Bürgermeister seine kurze Ansprache beendet hatte und die Sirene ertönte. Und ab ging die Post.

Dieses Mal vergaß ich nicht, meine Stoppuhr richtig zu drücken. Hier wäre es aber kein Problem gewesen, da die Zeiten netto gemessen wurden. Ich fühlte mich recht gut und das erste Kilometerschild gab mir Recht: 6:23 – das war ok. So konnte es ruhig weitergehen. Kilometer 2 passierte ich dann bei 12:08 – hoppla, das war ja dann doch recht flott. Zu flott vielleicht? Bis dorthin war es aber wirklich sehr flach gewesen, es ging sogar ein wenig bergab, also würde das schon in Ordnung gehen. Bei Kilometer 3 schaute ich wieder auf die Uhr: 18:10! Oh oh.... wenn das man gut geht! Die erste Verpflegungsstelle, die hier aufgebaut war, ließ ich aus. Nach 3 Kilometern muss ich ja nun wirklich nicht schon was trinken. Also weiter, da nach rechts abbiegen. Aber hier sah es schon nicht mehr so ganz flach aus, hey, wieso geht es jetzt hier bergauf?... Wenigstens gab es hier Schatten, es ging nämlich in den Wald. Waldwege haben den Nachteil, dass sie nie eben sind, weder den Untergrund betreffend noch hinsichtlich der Neigung nach rechts bzw. links. Ich laufe dann meistens in der Mitte, wo es zwar besonders holprig ist, aber das bin ich von meinen Hausstrecken ja gewohnt. Und so kam auch bald das 4-km-Schild, das ich nach 24:50 passierte. Immer noch gut im „Rennen“. Im Kopf rechnete ich mir nun schon aus, für welche Bestzeit diese Zwischenzeit gut wäre. Es sah jedenfalls danach aus, dass ich unter meinem Ergebnis vom Isartallauf bleiben könnte. Aber noch waren ja 6 Kilometer zu laufen... Und leider, leider ging es nach der nächsten Kurve nun wirklich bergauf. Mein Zeitpolster vom Beginn des Laufes schmolz dahin. Ich bin nämlich ein ausgesprochenes Weichei und Faultier. Wenn es anstrengend wird, und das wurde es hier zweifelsohne, dann ist meine Motivation schlagartig weg. Und jeder Gedanke an irgendwelche Bestzeiten flieht aus meinem Kopf. Da drin ist dann nur noch: wo gibt’s hier ‚ne Abkürzung? Ich mag nimmer! Und meine Beine weigern sich auf der Stelle weiterzulaufen und bestehen darauf, sich nur noch im Gehschritt fortzubewegen. Und ich habe nie, nie was in der Hand, sie doch noch zu überzeugen, dass es sich hier um einen Lauf und nicht um einen Gang handelt... Mann! Und trotzdem zeigt meine Uhr bei km 5 noch optimistische 31:50. Hochgerechnet ergäbe das ja immer noch eine passable Zeit...

Lange Rede, kurzer Sinn: als ich aus dem Wald herauskam, ging es eigentlich fast nur noch bergauf bis ca. km 8. Und dreimal darf jetzt jeder raten, was ich tue, wenn ich in der Sonne einen Berg (ja, es war wirklich ein böser, böser Anstieg im Dorf!) hoch soll: ich gehe! Punkt. Aus die Maus. Die erkleckliche Läuferschar, die bis dahin eigentlich noch hinter mir war, zog so nach und nach an mir vorbei. Mir doch wurscht. Ich will jetzt ins Ziel und habe überhaupt keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß hier. Pah!
Und wer steht da vorne an der Kreuzung im gelben Hemd: der Charly, der mir was von flach erzählt hatte... Der Ärmste musste sich als erstes anhören, wie besch....en es mir mittlerweile ging und er wäre schuld daran! So ungefähr jedenfalls. Als Entschädigung begleitete er mich dann bis ins Ziel. Wo ich dann in einer grottenschlechten Zeit von 1:09:38 ankam....



Aber keine Zeit kann so schlecht sein, dass man bzw. frau es mit etwas Glück (bzw. der Gnade der frühen Geburt) nicht noch aufs Siegertreppchen bringen kann. Und das ist eigentlich der Witz an der ganzen Sache: alle meine Lauffreunde liefen supergute Zeiten, aber mir wurde eine Medaille umgehängt und eine Urkunde persönlich überreicht. Haha! Und das nur, weil sich in der Grufti-Klasse W 50 nur 3 Teilnehmerinnen befanden. Und ich wurde dritte. Cool, ne?

eingetragen von Uschi am 03.07.2005, 21:55 Uhr

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